Die Hexenkatzen

Es ist schon lange her, da hatte ein Bergmann die Nachtschicht auf der Juliane und mußte des Nachts um 11 Uhr jedesmal anfahren und seinen Kameraden ablösen. Er ging also um die bestimmte Zeit aus seinem Hause auf der Spitalstraße in Zellerfeld und kam oben aus der Stadt auf den Kreuzweg. Siehe! da saß eine kohlrabenschwarze Katze und klagte und schmeichelte ganz erbärmlich, und dabei doch auch freundlich, um ihn herum.

Sie wollte nicht von ihm weg und wetzte sich immer an seinen Beinen, bald an dieser, bald an jener Seite, bald vorn, bald hinten. Da sie nicht weichen wollte, fragte er sie: »Du hast heut Abend wol noch nichts zu leben gehabt?« und dabei machte er seinen Brotbeutel auf und nahm daraus ein ziemlich großes Stück Brot und warf ihr das hin. Begierig faßte das die Katze und sprang damit fort, und er fuhr an, ohne daß er etwas Arges daraus gehabt hätte. Am zweiten Abend ging's ebenso, nur mit dem Unterschiede, daß ihm, wie er weiter hinauf auf die Höhe kam, noch eine Katze kam und an ihm so lange herumschmeichelte, bis er auch ihr ein Stück Brot hingeworfen. Das schien ihm doch aber zu unverschämt, und er nahm sich vor, am andern Tage ein Hausmittel dagegen anzuwenden. Wie er den folgenden Tag heimgekommen ist und ausgeschlafen hat, ist sein Erstes, nachdem er aufgestanden ist, einen tüchtigen Knüttel voll Nägel zu schlagen, um damit die Katzen, wenn sie ihm etwa wieder mit ihrer Bettelei lästig werden wollen, zu bewillkommnen. Wie er des Abends wieder anfuhr, kam die erste Katze wieder und machte es wie die vorigen Abende. Er wollte sich nicht lange damit herumärgern und schlug sie mit dem Stocke so derb über den Kopf, daß sie quäkend zu Boden stürzte. Durch diesen Schrei aber wurden so viel Katzen zusammengerufen, die alle über den Bergmann herfielen und anfingen zu kratzen und zu beißen, daß er am andern Morgen früh zerfleischt und zerrissen todt auf dem Kreuzwege gefunden ward. Nachdem fand sich's, daß das lauter Hexen gewesen, die es auf seinen Tod abgesehen und ihn auch todt gemacht haben. Eine derselben hat am andern Tage ein Tuch über dem Kopfe gehabt und sich vom Chirurgus verbinden lassen; denn sie hat so viele kleine Nagellöcher im Kopfe gehabt, wie in dem Stocke des zerfleischten Bergmanns Nägel gewesen sind.