Das verwünschte Bergwerk bei Rodishain

Zwischen Rodishain und Stempeda in der ehemaligen Grafschaft Stolberg-Stolberg liegt der Rödersee. Dort wurde vor langer Zeit starker Bergbau betrieben. Auch eine Münze hatte man erbaut, um das gewonnene Gold sofort auszumünzen. In der Röhre kam vom Eichenforst das Wasser herab, um das Werk in Gang zu halten.

Zu jener Zeit lebte in Rodishain ein Bürgermeister, dem noch im hohen Alter ein Sohn geboren wurde. Voll Freude darüber sann er nach, wie er seinen Sohn recht glücklich machen könne. Da kam er auf den Gedanken, die Berggeister zu Paten zu nehmen. Diese verschafften dann auch ihrem Patenkind auf die Bitte ihres Gevatters Reichtum, Verstand und Schönheit. So war es denn nicht zu verwundern, dass schon der Knabe bei allen Leuten wohlgelitten war.

Als er aber das zwanzigste Lebensjahr erreicht hatte, verliebte sich eine Gräfin in den schönen Jüngling und gab ihm deutlich ihre Neigung zu verstehen. Er schenkte jedoch ihren Andeutungen kein Gehör. Als ihm nun die Gräfin wieder einmal auf dem Schloss "Zum alten Stolberg" vergeblich zugesetzt hatte, erfüllten Rachegedanken ihr Herz. Sie beschloss, den jungen Mann zu verderben.

Sie lief daher eines Tages ihrem nach Hause zurückkehrenden Gemahl klagend entgegen und erzählte ihm, dass sich ihr der Jüngling mit einer Liebeserklärung zu nahen gewagt habe. Da ließ der erzürnte Graf den Unschuldigen festnehmen, hinrichten und zwischen Stempeda und Rodishain begraben. Auf dem Grab wurde ein Kreuz gesetzt, das noch im neunzehnten Jahrhundert an jener Stelle gestanden haben soll. Vor seine Tode aber hatte der Ermordete den ganzen Bergbau verflucht, und sein Fluch war so wirksam, dass die reiche Ausbeute bald ein Ende nahm und keine Spur der ganzen Anlage mehr zu sehen ist.