Die vertauschten Schuhe

Einst ging ein armer Pochknabe mit seinen zusammengebundenen Schuhen und Strümpfen über der Schulter aus Lautenthal hinaus, um zu fischen. Draußen an der Innerste legte er bei einem Strudel Schuhe und Strümpfe hinter sich und warf die Schnur ins Wasser. Da hatte auch schon eine dicke Forelle angebissen. Schon wieder eine und immer wieder! Das ging wohl eine Viertelstunde so fort. Da hatte der Junge Fische genug, ein paar Pfund zum Verkauf und so viel, daß er sich mit seiner Mutter dick und voll essen konnte. „Einen Letzten will ich noch fangen“, dachte er und warf die Angel aus. Doch mit seinem Glück war's aus, kein Fischlein wollte mehr anbeißen. Aber was war das? Hatte es nicht hinter ihm gelacht?

Der Pochknabe fuhr herum und traute seinen Augen nicht. Die kleinen Dinger da, das waren doch nicht seine Schuhe! Die waren ja aus Glas und innen gar mit dickem Gold ausgelegt. Mit denen sollte mal einer spazieren gehen! Ein Paar Strümpfe lagen auch da, mit Gold durchwirkt und mit dicken, goldenen Troddeln daran. So etwas hatte er noch nicht gesehen. Auf einmal kicherte wieder etwas ganz in seiner Nähe. Da sah der Pochknabe im Buschwerk einen Zwerg herumtanzen, angetan mit seinen alten Schuhen und Strümpfen. Der sprang vor lauter Freude, was das Zeug nur halten wollte. Da mußte auch der Pochknabe lachen, der Kleine sah zu putzig aus mit den großen Schuhen und Strümpfen. Die gingen ihm bis an den Leib und standen gar sonderbar zu seinem roten Rock und dem Kremphut mit der güldenen Feder darauf. „Du, Kleiner“, rief der Junge, „was machst du mit meinem Fußwerk?“ „Hab' dir neue Schuhe für deine alten gegeben! Der Tausch wird dich nicht reuen.“ So antwortete der Zwerg. Der Junge ließ sich den Handel auch gefallen. Die Zwergenschuhe und -strümpfe kaufte ihm eine Herzogin ab. Da hatte der arme Pochknabe für sein Lebtag Geld genug.