Vom Kloster Walkenried

Es war eine junge Gräfin von Lohre, Alheidis , Herrn Ludwigs von Lohre Tochter, die war eine grimme Männerfeindin. Sie ließ ihre Freier dreimal um die Burgmauer reiten, das brachte gar manchen den Tod. Es fand sich aber doch einer, der das Abenteuer bestand, das war Herr Volkmar, Graf von Klettenberg. Und als sie nun diesen geheiratet hatte, da bereute sie ihre Frevel und Sünden und ward eins mit ihm, ein Kloster zu gründen.

Beide reisten nach Köln am Rhein und nach Trier und besuchten die Gräber der heiligen Märtyrer und nahmen aus dem Kloster Kampen siebzehn Mönche mit auf ihr Gut Walkenried. Dort ward im Jahre 1127 ein herrliches Klosterstift nach der Ordensregel St. Benedikts gegründet, dann aber in ein Zisterciensermönchskloster  umgewandelt. Zweitausend Arbeiter hatten rastlos den Bau gefördert, doch soll er dreißig Jahre lang gedauert haben. Die Grafen von Herzberg und Lauterberg steuerten auch mit zum Klosterbau bei, sie ließen eine Million Steine anfahren. Gar eifrig erwies sich insbesondere die Gründerin Alheidis, sie opferte selbst ihren Schmuck zum Besten des Klosterbaues und legte Segen und Fluch auf ihn, nämlich Fluch für  den, welcher den Bau schädigen und das Kloster berauben würde. Der Fluch für solchen unfrommen Räuber lautete: „Verflucht seien alle seine Werke! Verflucht sein Ausgang und sein Eingang.! Verflucht sei sein Leben und verflucht sei sein Sterben. Wer ihn begräbt,  der werde vertilgt! Verflucht sei die Erde, darin er  jenen begräbt, und so der Räuber nicht Buse tut, so bleibt er bei dem Teufel und seinen Engeln in dem ewigen Feuer!“

Wo so christlich gebetet und daneben die verschwenderische  Pracht zum Aufbau und Schmuck des Stiftes verwendet wurde, dass man den von Kreuzgängen umgebenen Garten das Paradies nannte, da musste der Teufel doch auch dabei sein. Dieser hat sich im Kloster viel zu schaffen gemacht, absonderlich aber seine Tüde im Bauernkriege gezeigt, wo er seine größte Freude daran gehabt, das überaus herrliche Gotteshaus und die wundervollen Klostergebäude aus purer Lust am Frevel zerstören zu sehen, so dass daraus Behausungen für Vögel und Füchse wurden. Die Bauern exerzierten damals mit Waffen gewaltiglich, und alle Welt sollte ihr lieber Bruder sein. Da war bei der Walkenrieder Bauernwehr ein kecker Schafhirt aus Bartolfelde, hieß Hans Arnold, der war Hauptmann und stolzierte prunkhaft mit Göckelhahnfedern auf dem Schlapphut vor den beiden Grafen von Lohre und Klettenberg her, die in die allerliebste Bauernbrüderschaft gezwungen waren. Drehte sich der Held auf einem Beine um, schwang seinen Spieß und rief: “ Siehst du, Bruder Ernst, wie ich Krieg führen und exerzieren kann? Was kannst du denn, hehehe?“ – Graf Ernst von Klettenberg antwortete trocken: „ Seid zufrieden, Hänsel! Das Bier gäret wohl, es ist aber noch nicht im rechten Fasse, da hinein es kommen wird!“ – Das war ein böses Wort, das nahmen die Herren Bauern sehr übel, und es hätte dem Grafen fast Prügel eingetragen. Er hatte aber doch recht gehabt, denn als das Blättlein sich wendete, so kam schon das Bier in das rechte Fass zusamt der Hefe, und ward der Spieß garstig umgedreht, nämlich manchem kecken Bäuerlein im Leibe.