Der Mägdesprung

Im Selketal zwischen Ballenstedt und Harzgerode findet sich auf einem hohen Felsen ein zehn Fuß hohes eisernes Kreuz, bei welchem sich im Gestein eine Vertiefung zeigt, die einige Ähnlichkeit mit einer menschlichen Fußstapfe hat. Achtzig bis hundert Fuß weiter lässt sich eine zweite Fußspur erkennen. Wie dieselben entstanden sind, erzählt folgende Sage.

 

Ein Riesenfräulein kam einst vom Petersberge bei Halle herbei, um sich auf dem Rücken des Harzes zu ergehen. Als sie die Felsen erreicht hatte, die über den Hüttenwerken des Ortes Mägdesprung stehen, blickte sie auf und gewahrte drüben auf der Spitze des Ramberges ihre Gespielin, die ihr mit der Hand zuwinkte. Einen Augenblick zögerte sie, denn das breite und tiefe Selketal trennte sie von dem Ramberge. Wie sie so stand, drückten sich ihre Füße tief in den Felsen, wovon heutzutage noch die Spuren zu sehen sind.

Ein Bauer, der in der Nähe pflügte, spottete ihres Zögerns. Da streckte die Hünin ihre Hand aus, hob den Bauer samt Pflug und Pferden in ihre Schürze und hüpfte dann mit einem einzigen Sprung über das Selketal hinüber zu ihrer Freundin. Der Bauer aber entwand sich während des Niedersprunges glücklich den Falten ihrer Schürze, und froh, dass er den Erdboden wieder unter seinen Füßen hatte, trat er den Heimweg an.