Über die Walen und Venetianer

In den meisten deutschsprachigen Bergbaugebieten erzählen Sagen von Fremden, die durch das Gebirge streifen und nach Erden und Steinen suchen, die den Einheimischen wertlos erschienen. Sie waren ärmlich gekleidet und trieben oft einen kleinen Hausiererhandel. Diese Männer nennt die Sage Walen oder Venetianer, teilweise auch Venediger oder Slovaken. Sie werden in der Regel nicht bergmännisch tätig und, wie alle Fremden, zunächst erst einmal misstrauisch beobachtet. Ihr heimliches Tun, das jedoch von Jägern, Förstern, Köhlern und Hirten  der Sage nach bemerkt und verfolgt wird, machte sie besonders verdächtig.

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Das wundersame Geschenk

Johanniskraut

Jörg, der Köhlerjunge, liebte die schöne Kaufmannstochter Elsbeth aus Andreasberg. Auch das Mädchen, ein bescheidenes, fröhliches Wesen, war dem Burschen herzlich zugetan. Doch wollte es zwischen ihnen nicht zur Hochzeit kommen, denn Elsbeth Vater, dem im Leben nichts wichtiger war als das Geld, dachte nicht daran, einen armen Köhler zum Schwiegersohn zu nehmen. „Du heiratest einen reichen Mann“, pflegte er zu sagen. „Und wenn du das nicht willst, kommst du in ein Kloster. Basta!“. Die beiden jungen Leute konnten aber nicht von einander lassen. Doch konnten sie sich nur noch heimlich, im Wald treffen.

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Die Schatzgräber von Harzgerode

Zwei Waldarbeiter waren im Walde bei Harzgerode beschäftigt. Beide waren arm und klagten einander ihre Not. Viele Kinder, Krankheit und schlechte Zeiten waren schuld, dass sie nicht vom Fleck kamen. Wie aus der Erde gewachsen, stand plötzlich vor ihnen ein Mann mit schwarzen zottigen Haaren, braunem Gesicht und stechend dunklen Augen. „Ihr Harzleute seid ein dummes Volk“, sagte er polternd. „Ihr habt mehr Gold und Silber unter euch, als andere im Geldsack. Ihr sucht nur nicht.“ “Oh ho, nicht suchen!“ riefen beide wie aus einem Mund. „Zeigt uns nur, wo was zu suchen ist – wir wollen schon da sein!“

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Venediger am Brocken

Brocken A

Zu einem Oberharzer, der am Brocken gut Bescheid wusste, kamen einmal mehrere Venediger und fragten ihn, ob er eine Klippe, die sie mit Namen nannten, kenne und sie dorthin führen wolle. Da sich der Mann gern einigen Botenlohn verdiente, war er dazu bereit.

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Der Venezianer und der Oberförster

Der ehemalige Oberförster Brunnengräber aus Schierke im Harz pflegte gern folgendes Abenteuer zu erzählen:

„Ich stellte mich eines Abends am Brocken an, um einen Hirsch zu schießen. Da wuchs einige Schritte von mir entfernt ein schwarzer Kopf gleichsam aus der Erde hervor. Bald danach kam auch ein Mann zum Vorschein, der sich mit einem angefüllten Quersack heraushob und sodann das Loch mit einem Stein wieder sorgfältig bedeckte. Da trat ich aus dem Dickicht hervor und ihm entgegen; denn ich hielt ihn für einen Wilddieb. Zwar setzte er sich anfangs mit einem langen Messer zur Wehr, aber meine Büchse brachte ihn bald zur Vernunft, und er musste – wohl oder übel – mit mir nach Schierke hinunter wandern.

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