Über die Walen und Venetianer

In den meisten deutschsprachigen Bergbaugebieten erzählen Sagen von Fremden, die durch das Gebirge streifen und nach Erden und Steinen suchen, die den Einheimischen wertlos erschienen. Sie waren ärmlich gekleidet und trieben oft einen kleinen Hausiererhandel. Diese Männer nennt die Sage Walen oder Venetianer, teilweise auch Venediger oder Slovaken. Sie werden in der Regel nicht bergmännisch tätig und, wie alle Fremden, zunächst erst einmal misstrauisch beobachtet. Ihr heimliches Tun, das jedoch von Jägern, Förstern, Köhlern und Hirten  der Sage nach bemerkt und verfolgt wird, machte sie besonders verdächtig.

Bergleuten aus dem Harz musste klar sein, dass so etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. War doch jedem nicht nur erlaubt, nach Erz zu suchen, sondern jeder war nahezu dazu aufgefordert. Auch durfte jeder die gefundene Lagerstätte muten. Wer dies der Ordnung gemäß tat, sich ins Bestätigt-Buch eintragen ließ, bekam Sicherheit, Recht und gnädige Privilegien. Was wollte man mehr?

So ganz planlos, scheint es, war aber das Herumstreifen der Walen nicht. Sie kamen, wie die Sage erzählt, manchmal allein, aber auch zu zweit oder zu dritt und nahmen für eine gewisse Zeit Wohnung bei Einheimischen. Mitunter ließen sie sich auch von diesen zu bestimmten Plätzen in der Landschaft führen und gaben ein kleines Stück ihres Geheimnisses preis. Meist aber waren sie wenig gesprächig und ließen sich ungern bei ihrem Tun beobachten. Es geschah, dass der eine oder andere Wale regelmäßig jedes Jahr wiederkam. Der Johannistag als Schatzhebe- und Wundertag spielt dabei eine besondere Rolle. Das alles zusammen wurde nachdenkenswert – und blieb es bis heute.